Kreuzweg von Ruedi Arnold

Kreuzweg von Ruedi Arnold

Die 14 Kreuzwegstationen erheben sich in der Mitte des Friedhofs von Abteilung 13 bis Abteilung 26, jeweils alternierend links und rechts vom Weg auf Granitsäulen.


Die Ausgesetztheit des Menschen im Leid

Den Beginn des Weges kennzeichnet eine Bronzetafel mit der Aufschrift: "Der Kreuzweg mit 14 Stationen ist eine Nachbildung der "Via Dolorosa" in Jerusalem. Wir gehen mit Jesus durch Leiden, Kreuz und Tod hin zur Auferstehung."

Die figurale Darstellung der 14 Stationen ist auf einer horizontalen Ebene platziert, die sich über jener der letzten Ruhestätten ausbreitet. Über den Säulen aus Waldviertler Granit gestaltete Ruedi Arnold auf einer kleinen Plattform einen Handlungsraum, der von jeder Perspektive einsichtig über den Köpfen der FriedhofsbesucherInnen liegt.

Der Künstler geht in seiner Auffassung der zentralen "Figur" - Jesus - von einer menschlichen Gestalt aus, deren Körperlichkeit er nur andeutet. Bis auf jene drei Stationen, bei denen Jesus unter dem Kreuz fällt, ist er - umgeben von weiteren Figuren - in eine Handlung eingebettet.

Zum Kunstwerk

"Ruedi Arnold modellierte die Figuren des Kreuzweges in Papiermaché über Kupferdraht, bevor sie in Bronze gegossen wurden. Mit ihrer Betonung der Gliedmaßen wirken die Gestalten fragil, amorph und nahezu ausgemergelt. Nicht in ihrem Gesichtsausdruck sondern in ihrer Körperhaltung, in ihren Gesten und Handlungen, spiegelt sich die Dramatik dieses Weges von der Verurteilung bis zur Grablegung wider. Mit der Modellierung der Figuren führt der Künstler die Ausgesetztheit und gleichzeitig die Standhaftigkeit und Unbeugsamkeit mit der Jesus seinen Weg bis zum Ende geht, eindringlich vor Augen: Das entschlossene "Schultern" des Kreuzes, die innige Umarmung seiner Mutter, die aufrechte, Trost spendende Begegnung mit den Frauen und das dreimalige gewundene Aufbäumen unter der Last des Kreuzes. Für die Besucher und Besucherinnen des Friedhofs bieten die einzelnen - auf Granitsäulen erhöhten - Szenen des Leidensweges Christi Haltepunkte, hinaufzublicken und sich der Haltung Jesu entsprechend aus der eigenen Trauer aufzurichten."

Martina Gelsinger, Kunstreferat der Diözese Linz

Der Künstler: Rudolf "Ruedi" Arnold

Ruedi Arnold wurde am 1945 in Luzern (Schweiz) geboren. Von 1962 - 1966 erhielt er an der Kunstgewerbeschule in Luzern eine Bildhauerausbildung; 1967 ging er nach Wien zu Prof. F. Wotruba an die Akademie der bildenden Künste. Neben diesem Lehrer hat für Arnold auch A. Giacometti eine wichtige Rolle für seine künstlerische Entwicklung gespielt. Von 1976 bis 2013 war er Univ.Prof. für Bildhauerei an der Universität Mozarteum Salzburg. Er verstarb im Jahr 2014.

Mehr zum Künstler beim Mozarteum Salzburg

Der Leidensgeschichte nachgehen

Geheimnis. Der gläubige Christ geht mit dem gekreuzigten Jesus, der sein Leiden im Gehorsam gegenüber Gott auf sich genommen und bis in sein Sterben hinein Gott als den liebenden Vater verkündet hat, durch das Dunkel von Leid und Tod in der Hoffnung, mit Christus zur Herrlichkeit der Auferstehung zu gelangen.

Als die ersten Pilger im 4. Jahrhundert nach Jerusalem kamen, wollten sie den Stationen der Leidensgeschichte Jesu nachgehen und diese konkreten Plätzen in Jerusalem zuordnen. So hat sich mit der Zeit der Verlauf der "Via Dolorosa" (ausgehend vom sogenannten "Ecce homo Bogen" an der Nord-West-Ecke des Tempelbezirks) durch die verwinkelten Straßen der Altstadt zur Grabeskirche herausgebildet. Im Spätmittelalter kam - als Reaktion auf die Kreuzzüge und auf die verstärkt einsetzenden Pilgerfahrten ins Hl. Land - der Wunsch auf, auch im Abendland das Passionsgeschehen bildlich darzustellen. Das führte zur Errichtung von Kalvarienbergen und Kreuzwegen, die besonders in der Zeit der Gegenreformation und des Barock eine Blüte erlebten.

Den heute üblichen Kreuzweg mit 14 Stationen verdanken wir dem spanischen Franziskanermönch Antonius Daza (17. Jahrhundert). Auch heute noch gehört der Kreuzweg zu den beliebtesten Andachtsformen.

Kreuzweg auch im ehemaligen St. Barbara Gottesacker

Auch im alten, 1599 angelegten, St. Barbara-Gottesacker in Linz, der in der Gegend des heutigen Friedensplatzes gelegen war (er wurde von der Bevölkerung damals "Geisterburg" genannt), befand sich ein Kreuzweg mit 14 Stationen. Im Jahr 1786 wurde dieser Friedhof endgültig aufgelassen. In Fortführung dieser Tradition und als Gebetsanleitung für die Friedhofsbesucher hat sich die St. Barbara-Gottesacker-Stiftung entschlossen, einen solchen Kreuzweg auch im heutigen Friedhof zu errichten. Für die Gestaltung wurde in Verbindung mit dem Kunstreferat der Diözese Linz ein geladener Wettbewerb ausgeschrieben, den der Salzburger Künstler Prof. Ruedi Arnold für sich entscheiden konnte. Die 14 figural gestalteten Kreuzwegstationen wurden am 18. März 2008 von Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz SDB eingeweiht.

Quellen

Mag. Günther Walch, ehemaliger Friedhofsverwalter
Mozarteum