Gruft Schönburg-Hartenstein

Gruft Schönburg-Hartenstein

Friedhof Bad Ischl

Österreichisch-böhmische Dynastie, seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar. Mehrere Mitglieder der Familie sind in dieser Gruft bestattet.

Der wohl bedeutendste Vertreter: Alexander Fürst von Schönburg-Hartenstein *1826, †1896: Gesandter. Seit 1878 erbliches Mitglied und 1879 Vizepräsident des Herrenhauses, verdient um das Zustandekommen des deutsch-tschechischen Ausgleichs.


Die Gruft am Ischler Friedhof

In dieser großen Dreifachgruft liegen u. a. zwei Ehepaare, wobei alle vier Personen je ein eigenes Epitaph besitzen. Jede aus Untersberger-Marmor gearbeitete Stele hat eine Basis aus Fludergraben-Marmor und ist jeweils zweigeteilt. Oben das Wappenfeld, darunter das Namensfeld.
Eine verheiratete Fürstin darf auf ihrem Grabstein zwei Wappen führen. Rechts (von Betrachter aus links) das Wappen ihres Mannes, links (vom Betrachter aus gesehen rechts) das Wappen ihrer Herkunft.
Die Verstorbene Ludovica Fürstin von Schönburg-Hartenstein war Gattin des Heinrich Eduard Fürst von Schönburg-Hartenstein und kam aus dem Geschlecht der Schwarzenberger.
Unter der Rangkrone des Fürstenhutes, Krone mit drei sichtbaren, perlenbesetzten Bügeln mit dem Reichapfel an der Spitze und am Stirnreif ein fünflatziger Hermelinstulp, befindet sich (heraldisch) rechts das relativ schlichte Wappen ihres Gatten. Der Schild weist ein silbernes Feld mit zwei schrägen roten Balken auf.
Ebenfalls unter demselben Fürstenhut steht das Wappen der Gattin auf der (heraldisch) linken Seite.
Feld 1 Auf silbernem Feld vier blaue senkrechte Streifen (ursprünglich die Herren von Seinsheim, später Schwarzenberger genannt)
Feld 2 Auf silbernem Feld drei rote Spitzen(seit 1688, der Vermählung mit einer Frau aus der Herrschaft Sulz)
Feld 3 Auf silbernem Feld ein brennender Ast (Verweis auf die Herrschaft Brandis)
Feld 4 Auf goldenem Feld ein Türkenkopf dem ein Rabe das linke Auge auspickt (1599 Eroberung der türkischen Festung Raab)
Der kleine Schild inmitten des großen wird als Herzschild bezeichnet und zeigt hier das ursprüngliche Wappen der Schwarzenberger: Auf rotem Feld ein silberner Turm auf schwarzem Berg (Stammwappen der Schwarzenberger) auch redendes oder sprechendes Wappen genannt. Auf blauem Feld drei goldene Garben (der Herrschaft Kleggau)

Bemerkenswert ist auch das Epitaph des Gemahls der Ludovica, des Heinrich Eduard Fürst von Schönburg-Hartenstein.
Er war das 1004. Mitglied des Ordens vom Goldenen Vlies in der habsburgischen Linie. Der 1430 vom burgundischen Herzog Philipp dem Guten, anlässlich seiner Hochzeit gegründeten Ritterorden existiert noch heute. Sein Ziel war die Erhaltung des katholischen Glaubens, der Schutz der Kirche und die Wahrung der unbefleckten Ehre des Rittertums. Jedes einzelne Glied der Collane (= Halskette) besteht aus einem künstlerisch gestalteten Feuereisen (eines, neben dem Feuerstein und dem Zunder wichtigsten Gegenstand zur Feuererzeugung, von der Römerzeit bis 1827, der Erfindung der Streichhölzer) und einem blauemaillierten Feuerstein aus dem Funken sprühen. Damit soll angedeutet werden, dass die Ordensmitglieder die Kraft des Feuers, Licht und Wärme in das Dunkel der Welt zu bringen versuchen. An der Collane hängt die Darstellung des Goldenen Vlieses, welches zum einen auf die gleichnamige alt-griechische Sage zurückgeht, zum anderen auf das Begnadungswunder des biblischen Heerführers Gideon, siehe Buch der Richter 6. 36-40.
Kardinal Christoph Schöborn, Erzbischof von Wien, ist derzeit Ordensgroßkaplan.

Betreffend die Sepulkralkultur ist das Wappen der Schwarzenberger insofern interessant, weil es davon eine weltweit einzigartige Darstellung gibt.
Als der Abt des Klosters von Sedletz, ca. 70 km östlich von Prag, 1278 von einer Reise nach Jerusalem eine Handvoll Erde von Golgotha mitbrachte und diese auf dem Friedhof verteilte, wurde dadurch der Klosterfriedhof zu heiligem Boden erklärt.
Somit wurde dieser Friedhof zu einem überaus begehrten Bestattungsplatz für Mitteleuropa auf dem sich sogar Menschen aus den Niederlanden begraben ließen. Im 14. Jahrhundert zählte der Friedhof bereits 30.000 Tote und die folgenden Pestepidemien und die Hussitenkriege forderten so viele tausend Opfer, dass der Friedhof ständig erweitert werden musste. Im 15. Jahrhundert wurde eine Kirche mit einem Karner im Untergeschoss errichtet. Darin wurden die Gebeine von rund 40.000 Menschen gelagert. Im 19. Jahrhundert kaufte die Fürstenfamilie
Schwarzenberg die Kirche und beauftragte 1870 den Holzschnitzer Frantisek Rint mit der Innenausstattung des Ossariums, aber nicht aus Holz, sondern mittels der Knochen aus dem Beinhaus. Rint verarbeitete auf einzigartige Weise die Gebeine von ca. 10.000 Menschen und schuf unter anderem das Wappen der Fürstenfamilie Schwarzenberg – heraldisch korrekt - nur aus Menschenknochen geformt!