Zur Erinnerung

Interview mit KR Mag. Egon Humer
Vorstand Verein Zur Erinnerung


Was hat Sie dazu bewogen, Zur Erinnerung ins Leben zu rufen?

Die Internetplattform Zur Erinnerung ist aus einem persönlichen Bedürfnis in der eigenen Familie entstanden. Wir wollten Erinnerungen an geliebte Menschen, die verstorben sind, nicht durch die Zeit verblassen lassen und die Erinnerungen auch an unsere Kinder und Kindeskinder weitergeben. Das sollte nicht nur ein Name, eine Erzählung oder ein Bild sein. Wir wollten eine Lösung schaffen mit möglichst hoher Nutzeninnovation für uns und andere. So haben meine Frau und ich das Konzept dazu bei Spaziergängen im Burgenland entwickelt. Es sollte eine Lösung und ein Produkt werden, das wir selbst verwenden, das unser Bedürfnis abdeckt.

Warum erinnern?

Wahrscheinlich ist sich zu erinnern in den Menschen eingeschrieben. Die Fragestellung - woher wir kommen, wer wir sind,  wohin wir gehen - beschäftigt uns, ist eine zentrale Frage menschlicher Existenz. Wohin wir gehen, können wir vermuten, aber nicht mit Sicherheit sagen. Wenn wir aber Vergangenheit mit der Gegenwart des eigenen Lebens verbinden, können wir zu einem Gutteil erkennen, wer wir sind.

Was bedeutet Erinnerungskultur?

Erinnerung und Erinnerungskultur sind im Kontext von Herrschaftsgeschichte zu sehen. Herrschaft hat sich immer erinnert. Die Plattform Zur Erinnerung ist daher auch eine Demokratisierung der Erinnerung und damit ein Gegenentwurf zur Herrschaftsgeschichte. Es ist heute leichter möglich, mit wenig Kosten und Aufwand Erinnerung in der Familie an geliebte Menschen zu bewahren - und das über Generationen hinweg. Die Frage wird sein: Misst man der eigenen Existenz genug Bedeutung bei, um der Erinnerung einen Wert zuzugestehen?

Welche Bedeutung hat dabei Ihre frühere dokumentarische Arbeit?

Erinnerung und Erinnerungskultur haben bei meinen zeitgeschichtlichen Dokumentarfilmarbeiten immer eine große Rolle gespielt. Gefragt war: Wer erinnert, woran wird erinnert, was ist die Bedeutung dieser Erinnerung, wie wirkt sie? Was bedeutet es, sich öffentlich zu erinnern, welchen Wert hat verordnete Erinnerung? Was wird durch Erinnerung getrennt oder verbunden? Das sind wichtige gesellschaftliche Fragestellungen und wesentliche Bestandteile der normativen Konstruktion von Gesellschaft.


Sie verwenden dafür am Grabdenkmal eine QR-Code-Plakette?

Es erfolgt gerade eine weitgehende Digitalisierung der verschiedensten Lebensbereiche. Die Technik hat uns aber auch Lösungen zur Verfügung gestellt, die wir versuchen, sinnvoll zu nutzen. Dazu zählen wir auch den QR-Code. Der am Grab angebrachte QR-Code ist wie eine Verbindung der Offline- zur Onlinewelt. Mit einem Smartphone gescannt, können Sie die freigegebenen Informationen zur Person über die ZE-Plattform aufrufen und so mehr über die Person erfahren. Mit dem Familienpasswort können Sie auch den privaten Bereich zum Gedenken abrufen.

Wie kam es zur Kooperation mit der Porzellanmanufaktur Augarten?

Wir wollten dieser QR-Plakette einen möglichst hohen Wert geben, und AUGARTEN-Porzellan steht für das feinste Porzellan der Welt. Es war daher naheliegend, diesen Kooperationspartner für unsere Idee zu gewinnen.

Ist Zur Erinnerung ein virtueller Friedhof?

Nein. Zur Erinnerung ist keine Trauerplattform oder ein virtueller Friedhof, sondern eine Erinnerungsplattform, bei der mittels multimedialer Porträtmöglichkeiten ein Mensch in der Vielfalt seiner Persönlichkeit erfasst werden soll. Intention dabei ist es, möglichst lebendige Erinnerungen an ihn zu erhalten. Es sollen aber nicht nur die Erinnerungen naher Angehöriger festgeschrieben werden, sondern Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn etc. können eingeladen werden, ihre Erinnerungen einzubringen. Der Administrator des Porträts, meist ein Familienangehöriger, entscheidet dann letztlich, ob diese Erinnerung beigestellt wird oder nicht.
KR Mag. Egon Humer

KR Mag. Egon Humer

Studium an der Hochschule für Musik und darst. Kunst, Abteilung Film und Fernsehen. Dokumentarfilmautor. Gemeinsam mit DI Michael Eberl Entwickler von verschiedenen Plattformen im Internet. Geschäftsführender Gesellschafter der FIRSTMEDIA network GmbH. Vorstand KMUnet.Austria - Verein zur Unterstützung von kleinen Unternehmen bei Ihrem Auftritt im Internet. Zahlreiche Ehrungen.

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